{"id":333,"date":"2021-04-21T15:05:44","date_gmt":"2021-04-21T14:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/casa-comun-2022.de\/?p=333"},"modified":"2021-04-22T12:09:47","modified_gmt":"2021-04-22T11:09:47","slug":"eine-oekumene-der-offenen-augen-fuer-die-globalen-probleme-der-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/casa-comun-2022.de\/gb\/eine-oekumene-der-offenen-augen-fuer-die-globalen-probleme-der-menschheit\/","title":{"rendered":"\u00d6kumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar: Eine \u00d6kumene der offenen Augen f\u00fcr die globalen Probleme der Menschheit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Erinnerung an ein beachtliches Papier und die Notwendigkeit seiner Weiterentwicklung<\/strong><br><em>Koblenz, 21.\/22.04.2021.<\/em><br>\u00d6kumene wird als Blick auf die Probleme verstanden, die sich auf dem \u201aErdkreis\u2018 als dramatische Menschheitsprobleme zusammenballen. Diese Perspektive stark gemacht zu haben, darin liegt die Bedeutung der vor zwanzig Jahren, am 22. April 2001, verabschiedeten \u201eCharta Oecumenica\u201c. Sie versteht sich als \u201eLeitlinien f\u00fcr die wachsende Zusammenarbeit<br>unter den Kirchen in Europa\u201c. Das \u00d6kumenische Netz Rhein-Mosel-Saar erinnert an dieses Papier, weil es den Blick \u00fcber rein innerkirchliche Fragen hinaus \u00f6ffnet. Kirchen, die in ihren Krisen zunehmend um sich selbst und ihre Selbstbehauptung kreisen, weist es den Weg zu den Aufgaben, zu denen die Kirchen gesandt sind. Glaube und Sendung sind so miteinander<br>verbunden, dass sie nur verstanden und gelebt werden k\u00f6nnen angesichts der sich zuspitzenden weltweiten \u00dcberlebensprobleme der Menschheit, die jetzt und lange schon Menschen in Armut und Tod treiben und immer mehr die Grundlagen allen Lebens zerst\u00f6ren.<br>Im ersten Teil der Charta geht es um die Gemeinsamkeiten im Verst\u00e4ndnis des Glaubens und die darin gr\u00fcndenden M\u00f6glichkeiten der Begegnung und des gemeinsamen Handelns. Im zweiten Teil wird deutlich in welchen politischen, \u00f6konomischen, \u00f6kologischen und kulturellen Zusammenh\u00e4ngen dies geschehen muss. Genannt werden: Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle,<br>Eurozentrismus und vor allem Nationalismus, die \u201eVers\u00f6hnung \u2026 f\u00fcr V\u00f6lker und Kulturen\u201c, \u201esoziale Gerechtigkeit\u201c, eine \u201eFriedensordnung\u201c, der \u201eProzess der Demokratisierung\u201c, die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, die christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit und der Dialog mit dem Islam sowie anderen Religionen.<br>Damit hebt sich die \u201eCharta\u201c wohltuend von einem Verst\u00e4ndnis von \u00d6kumene ab, das auf innerkirchlich-konfessionelle Probleme reduziert bleibt. Es wird einem Begriff von \u00d6kumene gerecht, der die Thematisierung der den ganzen \u201aWeltkreis\u2019 betreffenden Menschheitsprobleme umfasst und dabei \u2013 entsprechend der biblisch begr\u00fcndeten Option f\u00fcr die Armen \u2013 die Solidarit\u00e4t mit den Armen und Ausgegrenzten betont.<br>Dennoch w\u00e4re die \u201eCharta\u201c an einem wesentlichen Punkt weiterzuentwickeln. Sie greift n\u00e4mlich da zu kurz, wo sie Probleme zwar benennt, sie aber nicht im Zusammenhang auf ein Ganzes bedenkt, dem der Globus und die einzelnen Gesellschaften unterworfen sind: dem Kapitalismus. Er hat sich als ein weltumgreifendes System etabliert, das durch den Zwang aus<br>Kapital mehr Kapital zu machen und den davon abgespaltenen, an Frauen delegierten und minderbewerteten Reproduktionst\u00e4tigkeiten bestimmt ist. Dieses System, dessen Grundlage Arbeit ist, st\u00f6\u00dft mit der schwindenden Bedeutung ausbeutbarer Arbeit immer mehr an seine Grenzen und entfaltet eine Dynamik der Zerst\u00f6rung, die immer mehr Menschen in Armut und Tod treibt und die nat\u00fcrlichen Grundlagen allen Lebens zu zerst\u00f6ren droht. Den Kapitalismus als t\u00f6dlichen G\u00f6tzen und die kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse als Fetischverh\u00e4ltnisse zu kritisieren und mit dem Kapitalismus zu brechen, darin sieht das \u00d6kumenische Netz die gegenw\u00e4rtig zentrale Herausforderung der \u00d6kumene.<br>Dies w\u00fcrde auch vor der folgenlosen Anrufung von Menschenrechten und Demokratie sch\u00fctzen wie sie auch heute \u2013 gerade in deren Niedergang \u2013 allenthalben zu h\u00f6ren ist. Zum einen wirken sie in ihren gleichsam zeitlosen Idealisierungen als \u201aschlechte Unendlichkeit\u2018. Das Ideal kann nie erreicht und daher \u201aunendlich\u2018 angerufen werden, w\u00e4hrend die Katastrophe ihren Gang geht. Zum anderen w\u00e4re zu erkennen, dass auch Demokratie und ihre Rechtszusammenh\u00e4nge Fetische sind, die mit dem Kapitalismus einhergehen und ihn samt dem Denken der Aufkl\u00e4rung legitimieren. Nicht an diesen G\u00f6tzen festzuhalten, sondern sie zu transzendieren w\u00fcrde dem Gottesnamen und dem mit ihm verbundenen Versprechen der<br>Befreiung von Herrschaft gerecht werden und w\u00e4re Aufgabe von Kirche(n) und \u00d6kumene\u0002Bewegungen.<br><em>gez.<\/em><br><em>Vorstand und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des \u00d6kumenischen Netzes Rhein-Mosel-Saar e.V.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnerung an ein beachtliches Papier und die Notwendigkeit seiner WeiterentwicklungKoblenz, 21.\/22.04.2021.\u00d6kumene wird als Blick auf die Probleme verstanden, die sich auf dem \u201aErdkreis\u2018 als dramatische Menschheitsprobleme zusammenballen. Diese Perspektive stark gemacht zu haben, darin liegt die Bedeutung der vor zwanzig Jahren, am 22. April 2001, verabschiedeten \u201eCharta Oecumenica\u201c. 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